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Die jungen Wilden

03.03.2018 14:07:28

Die Enttäuschung stand den U21-Spielerinnen vergangenen Sonntag ins Gesicht geschrieben, als sie auch in der dritten Partie der Viertelfinal-Playoffserie gegen den amtierenden Schweizermeister aus Laupen ZH als Verliererinnen vom Platz schreiten mussten. Die negativen Emotionen sollten aber schnell verfliegen, denn ein Rückblick auf die Saison zeigt: Den jungen Winterthurerinnen könnten erfolgreiche Zeiten bevorstehen.

 

Die ersten Playoffs der Winterthurer U21-A-Mannschaft seit acht Jahren endeten bitter. Nachdem sie in der Serie gegen Laupen ZH bereits mit 0:2 im Rückstand lagen, galt es, in der dritten Partie noch einmal alles in die Waagschale zu werfen, was angesichts einer 1:4-Niederlage und einer 0:6-Klatsche in den beiden bisherigen Spielen kein leichtes Unterfangen war. Die jungen Red Ants konnten aber dennoch über das ganze Spiel mit dem Quali-Sieger mithalten und waren phasenweise sogar spielbestimmend. Als sie in der 56. Minute durch Rebecca Harder gar in Führung gingen, war die Euphorie bei den mitgereisten Fans riesig. Diese hatten die Rechnung jedoch ohne Laupen's Zukunftshoffnung Andrea Wildermuth gemacht, die ihre Mannschaft 15 (!) Sekunden vor Schluss mit dem 6:6-Ausgleichstreffer in die Verlängerung und in das anschliessende Penaltyschiessen rettete. Das Ende der Geschichte ist bekannt, die Winterthurerinnen verloren diese Entscheidung und damit auch die Serie. Als die Juniorinnen den mitgereisten Anhängern teils unter Tränen für die Unterstützung applaudierten, schmerzte das Zuschauerherz doch auch sehr. 

 

Ein Blick in die Zukunft

So hart dieses Ende für die jungen Spielerinnen auch war, es gibt trotzdem viele positive Punkte, die mitgenommen werden können. Nur drei Mannschaften schossen in der Qualifikation mehr Tore als die Red Ants, diese erzielten in 18 Spielen deren 84. Als Aufsteiger konnten sie zudem mit den besten Teams der Liga mithalten und waren die ersten, denen in der Saison ein Sieg gegen Laupen gelingen konnte. Schön anzusehen war auch, dass es selbst im letzten Spiel der Saison nicht eine Minute gab, in der Einsatz und Kampfeswille gefehlt hätten. Trainer Stephan Mock, der die Mannschaft seit dieser Saison trainiert und massgeblichen Anteil am Erfolg hat, zeigte sich trotz der Niederlage unheimlich stolz auf jede einzelne Spielerin: „Ich sehe grosses Potenzial im Team, die Spielintelligenz ist hoch und der Wille gross. Mein Ziel ist es, mit dieser jungen Mannschaft gemeinsam weiterzugehen. Wir sind auf einem guten Weg, in Zukunft die Partien mit mehr Spielwitz zu gestalten und dadurch jedes andere Team arg in Bedrängnis zu bringen.“ Angesichts dieser jungen Mannschaft, das Durchschnittsalter beträgt gerade einmal 19 Jahre und selbst die Führungsspielerinnen können noch mindestens zwei Jahre in dieser Altersklasse spielen, bleibt Mock also noch ausreichend Zeit, seinen Plan in die Tat umzusetzen.

 

Der Erfolg dieses Teams kann auch als zukünftigen Erfolg oder zumindest positiven Nutzen für die NLA-Mannschaft gewertet werden. Bekanntlich steht als Basis von jedem erfolgreichen Team der Nachwuchs. Das war auch zu den besten Zeiten der Red Ants der Fall, von 2003 bis 2010 hatten die NLA und die U21 oft gemeinsamen Grund zum Jubeln. Die logische Konsequenz daraus war die erfolgreiche Integration von vereinseigenen Juniorinnen in der ersten Mannschaft, wie dies beispielsweise mit Margrit Scheidegger und Tanja Bühler gelungen war. Seither ist dieser Erfolg jedoch verebbt und nur wenige Spielerinnen schafften den direkten Sprung von der U21 in die NLA und kommen dabei auch zu regelmässigen Einsätzen. Zuletzt gelang dies Nicole Mattle, die mittlerweile aber auch bereits ihre vierte Saison in der höchsten Liga spielt.

 

“Bärner Meitschis“

Bis diese Generation der jungen Wilden jedoch soweit ist, spielen sich momentan mit Annika Dierks und Jasmin Krähenbühl zwei auswärtige Nachwuchsspielerinnen in den Fokus. Die beiden Bernerinnen haben von den D-Junioren von Bern-Ost an jede Altersstufe bis hin zur NLA der Wizards Bern Burgdorf gemeinsam durchlaufen. Aufgrund des Studiums zog es die beiden in Richtung Winterthur. Während jedoch Jasmin Krähenbühl ein neues Zuhause in Zürich gefunden hat und an der ETH Umweltnaturwissenschaften studiert, pendelt Annika Dierks drei Mal in der Woche von Bern in die Eulachstadt. „Für das Medizin-Studium in Zürich wäre der Standort Winterthur ideal gewesen“, meint Dierks rückblickend auf ihren Entscheid. Die Rechnung hatte sie jedoch ohne die zuständige Administration gemacht. Den Numerus Clausus hatte sie zwar überstanden, eingeteilt wurde sie aber aufgrund des Wohnorts ihrer Eltern in Bern. „Wenn ich von der Uni ins Training fahre, brauche ich zwei Stunden für einen Weg, von Zuhause aus sogar noch eine halbe Stunde mehr“, so Dierks weiter. Dies hat zur Folge, dass sie am Montag und Mittwoch erst kurz nach Mitternacht wieder in Bern ankommt. Doch Dierks, die nebst der Schweizerischen übrigens auch die deutsche und schwedische Nationalität besitzt, durfte in dieser Saison auch positive Erkenntnisse sammeln: „Ich habe jetzt mehr Selbstbewusstsein als vorher und auch die Freude am Unihockey ist wieder zurück. Ich habe das Gefühl, die Trainer vertrauen mir, das zeigt mir, dass ich doch etwas kann und durchaus auch Fortschritte mache. Beispielsweise wurde meine Spielübersicht besser und ich kann schnellere Entscheidungen treffen.“ Trotzdem weiss sie, dass der Reiseweg auf Dauer in ihrer zukünftigen Unihockeykarriere und neben dem Studium nicht lange so gross bleiben kann und gibt zu: „Nein, ich habe noch nicht entschieden, wo ich nächste Saison spielen werde.“

 

Die Chance gepackt

Jasmin Krähenbühl benötigt zwar aufgrund des Standorts Zürich ebenfalls länger als die Einheimischen, ist aber mit gut einer Stunde pro Weg doch deutlich unter demjenigen von Dierks. Für sie war die Entscheidung, nach Winterthur zu wechseln, sehr spontan. Bevor sie anfangs Juni für drei Monate nach Südamerika reiste, klopfte sie an die Tür der Red Ants: „Ich wusste noch nicht so genau, was ich will. Soll ich bei den Wizards bleiben oder wechseln? Ich fragte also mal an und wollte schauen, was dabei rauskommt.“ Am anderen Ende der Leitung sass die Winterthurer Sportchefin Irène Tschümperlin: „Wenn sich eine Spielerin mit Jasmins Potenzial und Einstellung bei einer Sportchefin meldet, ist das wie ein 6er im Lotto. Obwohl die Teamplanung damals bereits abgeschlossen war, musste ich keine Sekunde überlegen. Ich wollte sie unbedingt im Team haben.“ Diese positiven Worte konnten Krähenbühl schnell überzeugen: „Irène war mir gleich sympathisch und hat sich sehr um mich bemüht. Auch als ich nach meiner dreimonatigen Reise zum ersten Mal im Training aufkreuzte, habe ich mich von Anfang an wohl und willkommen gefühlt.“ Ihre Abwesenheit während des Sommertrainings blieb jedoch nicht ohne Konsequenzen, bis Ende Oktober fehlte sie jeweils in einem Training der Woche und verbrachte stattdessen zusätzliche Zeit im Kraftraum. „Ich wusste, dass ich von ganz unten anfangen muss, weil ich so lange weg war. Aber das war auch in Ordnung für mich, ich habe es als Chance gesehen. Ich konnte hier in ein völlig neues Umfeld mit neuen Trainern wechseln. So hatte ich einen kompletten Neustart, konnte von vorne beginnen und dann schauen, wie weit ich komme.“ Dass sie es weit schaffen würde, wurde schnell klar. Als sie im November wieder in allen Hallentrainings anwesend war, gehörte sie auch regelmässig der Aufstellung an den Meisterschaftsspielen an. Dies verdankt sie nicht zuletzt auch ihrem Ehrgeiz. „Natürlich habe ich gehofft, dass ich nach den Physistrainings mehr Eiszeit bekomme und dass ich es in den Stamm schaffe. Mein Ziel ist es nicht, Ergänzungsspielerin zu sein“, zeigt sich Krähenbühl selbstbewusst.

 

Neue Rollen eingenommen

Nebst Jasmin Krähenbühl konnte sich auch Annika Dierks im Stamm etablieren. Sie profitierte zwar auch von Sabrina Böschs Ausfall, die sich im letzten Qualifikationsspiel gegen Skorpion Emmental Zollbrück in der Schlussminute das Kreuzband riss. Gemeinsam führten sie einen direkten Konkurrenzkampf um die Rolle des Steuerflügels im dritten Block und damit auch um die Aufstellung im Cupfinal. In eben diesem Final zeigte Dierks aber eine abgeklärte Leistung und brachte die Red Ants mit ihrem Anschlusstreffer zum zwischenzeitlichen 1:2 wieder an den Gegner Piranha Chur ran. „Dass ich die Chance so für mich ausnutzen konnte, ist für mich sicher eine Bestätigung. Ich war mega nervös, auch wegen Sabi. Das hatte ich vorher nie, mit einer Spielerin auf derselben Position verglichen zu werden. Es wurde von mir etwas erwartet, auch weil sie nicht spielen konnte.“

 

Dass zwei junge Spielerinnen sich in der ersten Saison in einer neuen Mannschaft gleich beweisen können, ist nicht immer selbstverständlich. Ein Wechsel ohne vorher als Stammspielerin aufgetreten zu sein, ist immer mit Risiken verbunden. Dennoch bereuten sie ihre Entscheidung, den Transfer zu tätigen, keine Sekunde. „Ich habe hier in diesem Team sicher eine neue Rolle erhalten, ich gehöre einer Linie an und erhalte dadurch automatisch mehr Verantwortung“, fasst Annika Dierks ihre bisherige Saison zusammen. Auch Jasmin Krähenbühl ist zufrieden mit ihrem momentanen Stand in der Mannschaft, ihre positive Art hilft ihr dabei sicher auch weiter: „Ich bin kein "Murrli". Wenn es mir mal nicht läuft, lasse ich es nicht an anderen aus. So kann ich gute Energie ins Team bringen.“ Positiv für die Red Ants: Krähenbühl hat sich bereits für eine weitere Saison bei den Winterthurerinnen entschieden.

 

Diese Saison mussten sich die Red Ants also noch mit auswärtigen jungen Spielerinnen aushelfen, zeigten mit den Transfers der beiden Bernerinnen aber ein goldiges Händchen. Der heutige Stand der Juniorinnen-Teams, nebst der U21 zeigen auch die U17- und C-Juniorinnen-Mannschaften durchwegs ansprechende Leistungen, macht jedoch Hoffnung auf eine erfolgreiche, Winterthurer Zukunft. (nh)




 


 

 

 

 

 

 

         

         

 

 

 

 

 

 

 

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