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„Sich durchbeissen zu können, ist etwas ganz wichtiges.“

23.02.2018 21:12:55

Heute steht der Cup-Final im Wankdorf an. Um die letzten nervenaufreibenden Stunden vor dem Anpfiff zu überbrücken, bieten wir euch hier noch ein Interview mit Mäggi Scheidegger. Die 28-Jährige gibt darin über ihren bisherigen Karriereverlauf Auskunft. Übrigens stand sie mit den Red Ants bereits fünf Mal in einem Cup-Final und konnte den Wettbewerb bislang drei Mal (2010, 2011 und 2012) gewinnen. 

 

Mäggi, wann hast du mit Unihockey begonnen und welche Stufen hast du durchlaufen?

Mäggi Scheidegger: Angefangen zu spielen hatte ich, als ich in die 4. Klasse gekommen bin, also so mit 10 Jahren. Ich habe bei den C-Juniorinnen begonnen, das war das tiefste. Jedes Jahr eine Stufe höher, B-Juniorinnen und dann U21. A-Juniorinnen gab es damals bei uns nicht, deshalb wechselte ich direkt in die U21, die damals noch Elite hiess.

 

Weshalb hast du dich für diese Sportart entschieden und wann war für dich klar, dass es diese Sportart ist?

Vorher war ich nur in der Mädchenriege. Mein Bruder und meine Schwester hatten bereits gespielt und meine Mutter meinte dann, ich solle doch auch einmal in ein Training reinschauen. Und das hat mir dann auch gefallen. Ja, eigentlich bin ich durch meine Geschwister zum Unihockey gekommen.

 

Gibt es Spielerinnen, mit denen du damals gespielt hast, die auch heute noch spielen?

Alex zum Beispiel, zu Beginn aber noch gegen sie (FB Riders, gemeinsam mit Michelle Wiki). Céline spielte bei Dietlikon… Aber ansonsten vom Team ist glaub ich niemand mehr. Ah, Julia Suter natürlich noch. Mit ihr habe ich alle Stufen gemeinsam durchlaufen. Sie kam dann allerdings ein Jahr früher in die NLA, gemeinsam mit Alex.

 

Wie alt warst du, als du in die NLA gewechselt hast?

Gute Frage… Ich hatte dort gerade noch die U19-WM gespielt, also werde ich wahrscheinlich 18 gewesen sein. Ja, ich glaube 18, bin mir aber nicht 100% sicher.

 

Wolltest du von Anfang an in die NLA?

Anfangs hatte ich dies noch nicht begriffen. Aber ich kann mich daran erinnern, dass sie uns im Juniorentraining einst einen Zettel gaben, auf den wir unser Traumziel notieren sollten und dort habe ich darauf geschrieben, dass ich in der Nati-A spielen möchte. Das war wahrscheinlich so im B-Junioren-Alter. Aber auch später, als ich das U19-Aufgebot bekam, war mir nicht klar, was das bedeutet. Ich habe es dann meiner Schwester gezeigt und sie sagte dann: „Ah, das ist gut, da musst du gehen!“ Also ging ich dorthin, es war ein Sichtungstraining, und so war ich dann dabei. Aber ich habe ganz lange nicht begriffen, was das alles bedeutet. Ich habe einfach gespielt und dann ging es stetig eine Stufe rauf.

 

Hattest du ein Vorbild?

Ja, in der U21 war es schon Gaby Breitenstein, die als Trainerin auch einen grossen Einfluss auf mich hatte. Wir gingen auch oft ihre Spiele schauen.

 

Hattest du gemeinsam mit ihr in der NLA gespielt?

Ich glaube nicht, sie hatte ja ziemlich früh aufgehört, so mit 26 Jahren. Trainiert schon, daran mag ich mich erinnern, als ich im Förderkader war, aber ich habe nie eine Saison mit ihr zusammen gespielt.

 

Hat bei dir das Zusammenspiel zwischen Schule und Unihockey immer gut geklappt?

Die Schule kam nicht zu kurz. Da es bereits früh ein grosser Teil in meinem Leben war, musste ich mein Leben damit organisieren, meinen Schulalltag. Logisch, wenn ich Training hatte, lernte ich anschliessend zu Hause noch. Wenn ich direkt von der Schule ins Training gegangen bin, habe ich gewusst, ich muss mich nachher halt noch zwei Stunden hinsetzen und das erledigen. Aber es war für mich wie klar, wenn ich nicht mehr Unihockey spielen kann, habe ich nicht den richtigen Weg gewählt. Für mich durfte die Schule nicht Überhand nehmen. Aber es hat immer gut geklappt, weil ich dies unbedingt wollte und auch keine Abstriche machen musste. Mir war aber schon klar, dass ich wegen den Trainings die verpasste Lernzeit im Anschluss nachholen musste. Ich war aber auch pflichtbewusst und fleissig.

 

Auf was musstest du verzichten?

Ich hatte nie das Gefühl, dass ich auf etwas verzichten musste, da ich es immer gerne gemacht habe. Auch jetzt. Die Emotionen, die wir hier erleben, kann man nur im Sport erleben und sonst nicht. Und die habe ich erlebt und weiss auch, wie cool das ist. Und darum… Nein, ich habe nicht das Gefühl, dass ich auf etwas verzichten musste. Klar gingen meine Kollegen mal ein Wochenende mehr in den Ausgang, aber das war für mich so in Ordnung. Auch weil es mir enorm viel zurückgegeben hat, wenn ich gesehen habe, dass wir erfolgreich sind und diese Emotionen erleben können. Eine Zeit lang waren wir ja ziemlich erfolgreich, also in der U21 und in den ersten NLA-Saisons.

 

Was betreibst du momentan für einen Aufwand?

Also drei Mal trainieren wir in der Halle mit dem Team, dann kommt ein Mal Kraftraum hinzu und wöchentlich ein Ausdauerlauf... Also so ca. 8-9 Stunden pro Woche investiere ich in die Trainings, die Spiele am Wochenende nicht mitgezählt.

 

Wie hat sich das Unihockey im Laufe der Zeit verändert?

Das ist noch schwierig zu sagen, wenn man die ganze Zeit dabei war. Also ob es schneller wurde, kann ich nicht sagen. Aber was ich schon denke, ist, das sieht man bei den Juniorinnen, sich aufzuopfern oder vlt. auch einmal auf etwas zu verzichten. Das wird heute nicht mehr so bedingungslos gemacht wie früher. Ich glaube, früher, wenn es hiess, du darfst in der NLA mittrainieren, dann war das das grösste. Und heute habe ich das Gefühl, dass das nicht unbedingt das grösste für alle ist. Das ist sicher nicht bei allen so, aber es ist oft nicht mehr die Priorität Nummer eins. Viele haben auch noch andere Hobbies, die parallel laufen. Ich habe das Gefühl, man ist früher “bereiter” dazu gewesen, sich aufzuopfern und Zeit dafür zu investieren. Aber das ist auch nur meine Sicht, vielleicht würde eine Juniorin ganz was anderes sagen.

 

Das wird wahrscheinlich auch von Person zu Person unterschiedlich sein…

Genau, genau. Das denke ich auch. Aber wenn man in den letzten Jahren schaut, wie viele den Sprung von der U21 in die NLA geschafft haben, auch bei uns im Verein, sind das nicht so viele. In früheren Zeiten waren es deutlich mehr, aber es spielen auch sicher nicht mehr alle.

 

Stimmt, ihr hattet einen starken Jahrgang…

Ja, Silvana Nötzli spielte auch noch mit mir U21, Ramona Ott, Julia Suter, Alexandra Frick, wobei sie nicht bei uns war… Es waren viele und dann gab es einen grossen Gap, wo dann niemand mehr nachkam.

 

Wurdet ihr mit der U19 Weltmeister?

Ja. Das war 2008, sehr überraschend. Schweden war wie immer der Favorit und nachher hatten wir ein mega starkes Turnier gespielt. Anfangs gegen Finnland, irgendwie sehr hoch gewonnen, was wir zuvor nie realisieren konnten. Was mir auch geblieben war, ist, dass wir wirklich in jedem Spiel so um die acht Tore erzielt hatten, das war krass… Und dann kam der Final gegen Schweden, da lagen wir bis ins letzte Drittel vorne. Und dann schiessen sie, ich weiss nicht mehr wie viele Sekunden oder Minuten vor Schluss das war, den Ausgleich und wir so: „Oh, verdammt… Jetzt ist’s vorbei…” Dann kam die Verlängerung... Golden Goal und dort hat Julia Suter das Tor erzielt und wir haben gewonnen... Wahnsinn! Damit hatte niemand gerechnet. Auch wir selber wurden am Schluss davon überrascht, dass es gereicht hatte. Aber das war so eine schöne Erfahrung, so eine schöne Zeit. Dort ging alles auf, alle hatten einen Lauf.

 

Aber ihr wart auch eine starke Mannschaft…

Ja, wir waren ein starkes Team und es ist lustig, viele die damals dabei waren, sind auch heute noch im Nati-Kader. Es war damals wirklich ein guter Jahrgang.

 

Thema Schweden, du warst ja ein halbes Jahr dort (Malmö). Gehst du noch einmal zurück?

Nein, aber mehr auch aus privaten Gründen. Für mich stimmt momentan alles, so wie es ist. Es wäre aber sicher cool gewesen, die Saison, die ich in Schweden begonnen habe, auch zu Ende zu spielen. Aber das ging ja wegen dem Studium nicht, deshalb musste ich retour und das habe ich dann schon gemerkt. Es ist schwierig, du kommst in ein neues Land, neue Sprache, das Unihockey ist dort oben etwas anders und du benötigst eine gewisse Angewöhnungszeit. An Weihnachten kam es bei mir dann langsam, aber ich war überhaupt nicht zufrieden mit dem, was ich bis dorthin zeigen konnte. Die Situation war auch nicht einfach. Der Trainer weiss, du gehst im Januar wieder, bist nur ein halbes Jahr hier, er setzt nicht voll auf dich, logischerweise, und du hast selber Stress, weil du dich beweisen möchtest, aber bringst es nicht ganz hin. Aber es war sicher eine gute Erfahrung, um das einmal zu sehen und in ein neues Team zu kommen, weil ich das ja vorher nie erlebt hatte und mich komplett neu behaupten musste. Da musste ich die Komfortzone schon verlassen.

 

Was war deine Rolle im Team? Du musstest ja wohl nicht ganz unten beginnen?

Nein, ich habe eigentlich schon gespielt. Immer in der zweiten Linie, am Anfang noch in der ersten, es hatte immer ein bisschen gewechselt. Nachher war es nicht ganz einfach mit einer Spielerin, die hatte immer ein bisschen “Stunk” gemacht und liess mich auch spüren, dass sie mit mir nicht zufrieden war und dann war das ein bisschen schwierig. Dort musste ich ziemlich beissen… Ich hatte hart zu kämpfen, aber es war nachher ok. Ich konnte aber nie das zeigen, was ich eigentlich spielen konnte, ich war mit mir selber nicht zufrieden, als ich in die Schweiz zurückkehrte, aber es war eine gute Erfahrung. Aber wenn man es sich überlegt, ob man nach Schweden will, dann mindestens eine Saison wenn nicht sogar zwei. Du brauchst eine gewisse Angewöhnungszeit. Es ist auch nicht unbedingt mein Spiel, das sie in Schweden spielen. Ich bin jemand, der sehr gerne und sehr viel läuft und das brauchst du dort oben nicht, weil ich zwar schon rennen kann, aber sie spielen einfach den Ball und der Ball ist nach wie vor schneller als ich. Meine Stärken kommen nicht so zum Zug. Vielleicht schon, wenn ich's irgendwann geschafft hätte, so zu spielen, das ist noch schwierig zum sagen. Aber ich habe das Gefühl, dass mein Spiel nicht für das schwedische Unihockey geschaffen ist. Es passt nicht so.

 

Was hast du in Schweden gelernt, was du vielleicht in der Schweiz nicht gelernt hättest?

Ja, das ist eine gute Frage… Es ist nicht unbedingt etwas auf dem Spielfeld, es ist mehr etwas Persönliches. Dass wenn es dir einmal nicht läuft, du dennoch weitermachen musst und schlussendlich dafür verantwortlich bist. Ich habe keinen Move auf dem Spielfeld gelernt oder so, das nicht. Es ist mehr das Persönliche, dass es mir gut getan hat, mich zu beweisen und auch weiterzumachen, obwohl es mir nicht läuft. Das kannte ich zuvor nicht, oder nicht so extrem.

 

Abschliessend: Wenn jetzt eine B-Juniorin vor dir stehen würde und dich fragt: „Hast du mir einen Tipp, was muss ich machen, damit ich es einmal in die NLA schaffe?”, was würdest du ihr antworten?

Ich glaube, man benötigt ganz viel Ausdauer, also im Sinn von Durchhaltevermögen, und die Leidenschaft für die Sportart, sich dem Aufwand stellen zu wollen und diesen auch in Kauf zu nehmen. Man muss sich bewusst sein, dass man dafür etwas leisten muss. Ja, sich durchbeissen zu können, ist etwas ganz wichtiges.

 




 


 

 

 

 

 

 

         

         

 

 

 

 

 

 

 

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